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Musik im Gaumen – Grappa Berta

„Ein Moment der Beliebtheit reicht nicht aus, um längerfristig erfolgreich zu sein. Wir müssen für die Konsumenten immer wieder Gründe schaffen, sich für Berta zu entscheiden.“

Gleich vorab; ich liebe die Riserva del Fondatore Paolo Berta und aktuell ist der Jahrgang 1992 im Markt. Weich im Gaumen und verführerisch nach Kakao, Tabak und feinsten Vanille duftend – faszinierend.

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit für „La Storia“ – das Video der Familie Berta.

Die Gründung der “Distilleria Berta di Berta Paolo” 1947 in Nizza Monferrato und im selben Jahr die Heirat seiner starken Frau Lidia Giovine gaben Paolo Mut, Halt und Zuversicht in den kargen Nachkriegsjahren. Doch ohne Francesco Berta, der im Juli 1866 das Licht der Welt erblickte gäbe es vermutlich keine Grappi von Berta. Mit dem Bauernsohn Francesco, der seit Kindsbeinen an mit Weinbergen und Weinkeller vertraut war beginnt diese aussergewöhnliche Familiengeschichte.

Rom war noch nicht die Hauptstadt Italiens, der Zug der Tausend unter der Führung von Giuseppe Garibaldi gerade erst abgeschlossen und Vittorio Emanuele II. war noch immer an der Macht. In Erinnerung bleibt er – neben seinem Bestreben Italien zu einigen – aufgrund seiner kulinarischen Gelüste.

Mit seltenem Weitblick schaut sich der junge Franceso nach Absatzmöglichkeiten und Kunden um. Mit 22 Jahren heiratet er Erminia Barbero. 1889 wird Giovanni, 16 Jahre später Michele geboren. Die bäuerliche Tradition von damals wollte keine Trennung des Eigentums. So war es die Aufgabe des Erstgeborenen Giovanni die Arbeit des Vaters am Feld fortzusetzen, während der Zweitgeborene einer anderen Arbeit nachgehen musste. Michele sollte Apotheker werden.

Die Entscheidung zum Apothekerberuf

Die Berufswahl, die Francesco für seinen Sohn getroffen hatte, war für die damalige Zeit ungewöhnlich da sehr häufig das zweitgeborene Kind in das Priesterseminar geschickt wurde, allerdings für die unternehmerische Zukunft der Familie Berta bahnbrechend.

Die Apotheke, die Michele in den 30er Jahren in Mailand eröffnete, hatte ein sehr ehrgeiziges Ziel: auch wenn sie nicht das grosse Geschäft von heute war, so stellte sie doch einen angesehenen Ort dar: hier war man um Behandlungen, aber auch um die Forschung – von der Heilpflanzenkunde bis zur Chemie – bemüht. Tradition hatte die handwerkliche Herstellung von Likören mit heilsamer und therapeutischer Wirkung. Obwohl die beiden Brüder getrennt waren, arbeiteten sie eng zusammen. Giovanni, versorgte Michele mit Weinen, die die Grundlage für einige von ihm kreierten Produkte waren: den Barbera Chinata (mit Chinarinde versetzter Barbera) und das Elixier aus Moscato Passito (Muskat-Spätlese), die in der Flasche, aber auch glasweise in der Apotheke erhältlich waren.

Durch die Eröffnung der Apotheke in Mailand, die für damalige Verhältnisse beispielhaft war, holte sich das Weingut Berta di Roccanivo in Casalotto di Mombaruzzo Anregungen für neue Geschäftsideen in den Städten Genua, Turin, Brescia, Bergamo u.a. Die Familie gedeihte durch die Geburt der Enkel Francesco, Teresina, Erminia, Maria und Paolo.

Mit dieser positiven Einstellung konnte die Familie Berta die krisengeschüttelte Zeit nach dem Ersten Weltkrieg – die sich auch auf die Wirtschaft des Weines negativ ausgewirkt hatte – relativ problemlos überstehen.

Paolo, das jüngste von fünf Kindern, setzte das Unternehmen fort. Unter großen Opfern hatte er jedoch die Möglichkeit, das Studium abzuschließen.

In den Wirren des Zweiten Weltkrieges machte er 1947 in Alba seinen Studienabschluss in Weinbautechnik. Er führte die landwirtschaftliche Tätigkeit von Vater Giovanni fort, eröffnete allerdings zusätzlich noch die “Distilleria Berta di Berta Paolo” in Nizza Monferrato. Bedeutungsvoll war das Zusammenfallen der Eröffnung der Brennerei mit der Heirat von Paolo mit Lidia Giovine: dies ist die Geschichte einer Familie, die dem Unternehmen Halt und Zukunftsperspektiven verleiht. Das Unternehmen der Berta hätte wohl keine analoge Geschichte gehabt, wenn sie nicht in der Familie und im fortlaufenden Wechsel der Generationen – sowie in dem Beitrag der Frauen – ihre solide Basis gefunden hätte.

Spirituosen als Mehrwert

Die Idee einer Brennerei kommt Paolo nach seinen ersten Erfahrungen als Önologe auf Weingütern in dem Gebiet. Sein Ziel ist es Grappa und Spirituosen zu erzeugen, um damit einen Mehrwert für die Produkte vom Weingut der Familie zu schaffen.

Seltsamerweise kommen die ersten Anerkennungen für seine handwerkliche Tätigkeit von Personen aus Deutschland, der Schweiz, Amerika und Australien, die im nahe gelegenen Canelli die großen Schaumweinproduzenten, die Pioniere des Geschäftstourismus, besuchten.

Nach und nach werden die in speziellen Keramik- und Kristallglasflaschen abgefüllten Produkte der kleinen Brennerei in Nizza Monferrato im Ausland bekannt.

Paolo und Lidia bestehen auf der handwerklichen Dimension ihres Unternehmens und legen ihr Hauptaugenmerk auf die Qualität: die Produkte von Berta müssen für sich sprechen. In der Zwischenzeit wird die Familie größer: im Jahr 1956 wird Gianfranco geboren und im Jahr 1960 Enrico. Beide studieren Rechnungswesen mit Schwerpunkt Handel und Chemie und widmen sich mit großer Leidenschaft dem Familienbetrieb.

Echtes Handwerk versus Massenprodukte

Der Familie Berta gelingt nun etwas geniales: die Erfindung einer neuen Flasche, die Beuta Berta. Das Format, das normalerweise in Analyselabors verwendet wird, wird hier von der Brennerei benutzt, um den Produkten ein unverwechselbares Image zu verleihen. Die Familie Berta macht voller Zuversicht diesen Schritt ins Ungewisse: sie wendet sich direkt und persönlich an die Gastronomie und an kleine Fachgeschäfte. Eine Entscheidung, die heute als weise und weit blickend gilt, aber damals vor allem eine sehr mühsame und komplexe Arbeit ohne Erfolgsgarantie darstellte.

In den 80er Jahren teilt sich die Familie Berta die Aufgaben: Gianfranco übernimmt die Produktion, Enrico die Vermarktung, während Lidia weiterhin die geschmackvollen Flaschen verpackt und Paolo unerschütterlich einige aussergewöhnliche Grappe konserviert und sie von einem Fass in das andere, von einem Barrique ins andere umfüllt. Es ist die immer währende Geschichte einer Familie, die langfristige Entscheidungen trifft und so die Weichen für das Wachstum und das Glück der eigenen Nachkommen stellt.

Die Schaffung eines neuen Marktes

Es sind dies Jahre intensiver Arbeit, Jahre der Forschung, die bei den traditionellen Produktionstechniken Anwendung finden. Ferner sind es Jahre, die dem Aufbau eines neuen Marktes gewidmet sind, von dem man jeden einzelnen Protagonisten kennen lernt. Es entwickelt sich ein solider, freundschaftlicher Kreis von Kunden.

Enrico und Gianfranco kennen persönlich sehr viele Betreiber von Restaurants und Enotheken und jeden Tag klopft eine neue Person an die Tür der Brennerei, die durch die Mundpropaganda angelockt worden ist. Es sind die Jahre, in denen die heutige Distillerie Berta srl – nach einem Übergang von Distilleria Berta dei figli di Berta Paolo & C. Snc – im Jahr 1990 entsteht, als Paolo und Lidia offiziell in Pension gehen, ohne jedoch auf ihr Mitwirken zu verzichten.

Drei Jahre davor hatte Simonetta Ghignone Gianfranco geheiratet, wodurch die Arbeitskraft des Familienbetriebes, von dem sie die Verwaltung übernimmt, gesteigert wurde. Im Jahr 1989 wird Annacarla Tochter von Gianfranco und Simonetta geboren und im Jahr 1995 kommt Giulia auf die Welt , Tochter von Enrico und Elisabetta Malfatto. Dies ist eine weitere Bestätigung der wichtigen Rolle der Frauen in dem Familienbetrieb Berta.

Die Zukunft dieser Grappe erfährt immer mehr weibliche Prägung, nicht nur weil es immer mehr Frauen gibt, die sich diesem Produkt genussvoll nähern, sondern auch aufgrund ihrer Eigenschaften. Heute exportieren die Berta in 60 Länder.